Rot-Weiss Wittlich unterliegt Ehrang deutlich – Auch Schweich ohne Fortune

Nachberichte, Bezirksliga: Verrückte Resultate – knallenge Spiele

Rot-Weiss Wittlich unterliegt Ehrang deutlich – Auch Schweich ohne Fortune

28. September 2020, 18:04 Uhr

Für Kyllburgs Stürmer Daniel Robertz (rechts) war gegen Ralingen kein Durchkommen möglich. Hier verteidigt Ralingens Abwehrspieler Julian Weber eine brenzlige Aktion. Ralingen siegte mit 2:1.

Der fünfte Spieltag brachte jede Menge überraschender Spielausgänge und auch Erkenntnisse. Da unterliegt nicht nur der bisherige Spitzenreiter Rot-Weiss Wittlich in Pfalzel, sondern auch die Mosella bei ihrem Gastspiel in der Westeifel. Mit den erneut siegreichen Rascheidern rangieren jetzt vier Mannschaften punktgleich an der Tabellenspitze. Mit Konz, das mit 1:5 in Kröv unter Wert geschlagen wurde, und Bettingen gehen zwei Teams schweren Zeiten entgegen. Bettingen kam beim 0:7 in Körperich arg unter die Räder.

SG Kyllburg – SG Ralingen 1:2 (0:1)

Die erste Kyllburger Heimniederlage war der Verdienst einer leidenschaftlich kämpfenden Gästeelf, die in Joe Schilz einen eiskalten Vollstrecker in ihren Reihen hatte. In der 33. Minute eroberte Julian Weber einen Ball im Mittelfeld, bediente Schilz und dieser umkurvte Jonas Knauf im Kyllburger Kasten und schob zum 0:1 ein. Trotz des verletzungsbedingten Wechsels von Kapitän Benny Schröder in der 38. Minute, blieb Ralingen vor allem defensiv stabil und ließ das gefährliche Kyllburger Sturmduo Damian Machon/Daniel Robertz nicht zur Geltung kommen. Nach einer Eckballvariante von Marco Port war Schilz in der 52. Minute per Kopf zum 0:2 zur Stelle. „Bei beiden Gegentoren fehlte die Zuordnung, das darf so nicht passieren“, wetterte Kyllburgs Coach Roger Reiter wie ein Rohrspatz. Der Trainer ging noch weiter in seiner Analyse und attestierte seiner Elf fehlende Leidenschaft und Willen. „Wenn du Fußball ohne Körpereinsatz und ohne Willen spielst, kannst du kein Spiel gewinnen. Das will ich auch nicht auf die Verletztenliste schieben, wir haben nicht genug investiert. So ein kollektives Versagen gegen einen Mitkonkurrenten tut verdammt weh.“ Das späte Tor von Machon in der Schlussminute fiel viel zu spät, um der Partie nochmals eine Wende zu geben. Ralingen Coach Martial Servais jedenfalls freute sich diebisch über den ersten Saisondreier. „Lediglich in den ersten zehn Minuten waren wir nicht wach. Wir haben dagegengehalten, defensiv so gut wie gar nichts zugelassen und haben hochverdient gewonnen. Auf unsere Routiniers war Verlaß. Wir haben Robertz und Machon keine Räume gestattet.“ Oldie Markus Pallien und Michael Wagner wurden eingewechselt, Marco Port stand seit drei Spielen wieder in der Startelf. 

SG Mont Royal Reil – SV Konz 5:1 (4:1)

Eine ähnlich gravierende Verletzten- und Ausfallliste beklagte Konz’ Trainer Thomas Berens vor seinem Gastspiel am Kröver Berg. Mit Stefan Becker (Knie), Kai Peters (Rücken), Kevin Bernard, Dominik Güth (beide Muskel), Mustafa Al Saidi, Nicolas Hengel (beide Fuß) und Nils Noner (gesperrt) fielen gleich sieben Spieler aus. So stand Konz bereits in der ersten Halbzeit auf verlorenem Posten, als Doppeltorschütze Burak Sözen die Reiler auf den Siegespfad schoss. Dessen älterer Bruder und Spielertrainer Fatih Sözen sparte nicht mit Lob: „Burak wird von Woche zu Woche immer stärker. Wenn er genug Tiefe bekommt mit den Pässen, ist er eiskalt im Abschluss.“ Als Niklas Servatius in der 38. Minute das 3:0 erzielte, war eine Vorentscheidung gefallen. „Niki ist sehr positiv aufgefallen und gibt immer Gas.“ Diese motivierende Einschätzung beflügelte den 23-Jährigen derart, dass er in der 67. Minute das entscheidende 5:1 nachschob. Zwar hatte Tim Kugel die Gäste vom Saar-Mosel-Eck kurz vor der Halbzeit auf 1:3 herangebracht, doch Stefan Caspari vom Anstoßpunkt weg mit dem 4:1 den alten Abstand wieder hergestellt. Der Konzer Trainer haderte mit der „extrem hohen Fehlerquote“. Der Coach betonte, dass es kein kollektives Versagen der gesamten Mannschaft war, das an der hohen Niederlage die Schuld trug. War seine Mannschaft nach dem 0:3 lange Zeit zu ungefährlich in den gegnerischen Räumen, so hatte Konz vor dem 0:1 zwei Top-Chancen, selbst in Führung zu gehen. Doch Merlin Weis (allein vor dem Torwart) und Michel Kupper-Stöß (im Eins-gegen-eins) verstolperten beste Gelegenheiten. Erschwerend kam die Rote Karte gegen den Konzer Kapitän Fabian Herrig hinzu, der in der 55. Minute mit gestrecktem Bein voraus ein rüdes Foul beging und dafür zurecht den Roten Karton zu sehen bekam. „Wir haben ein wirkungsvolles Offensivpressing praktiziert, welches sehr gut geklappt hat und uns mit den frühen Toren belohnt,“, sah Fatih Sözen die starke erste Halbzeit als Schlüssel zum Erfolg. „Nach dem 3:0 haben wir ein bisschen zurückgeschaltet und das 3:1 kassiert. Mit dem 4:1 direkt danach war das Feuer der Konzer gelöscht.“

SG Saartal Irsch – SG Wallenborn 3:3 (1:3)

Ein „verrücktes Spiel“ sah Saartal-Trainer Heiko Niederweis, der vornehmlich mit der Moral seiner Mannschaft zufrieden war. Denn nach einem Halbzeit-1:3 sah es lange Zeit nach der dritten Saisonniederlage aus. Nach Vorarbeit von Lukas Kramp hatte Nico Ockfen die Heimelf zwar mit 1:0 in Führung gebracht, doch individuelle Fehler brachten Wallenborn in Vorteil. Nach einer Kombination über Patrick Hunz und Daniel Zunk machte Sebastian Hilgers den Ausgleich (31.), ehe der gleiche Spieler nur fünf Minuten später einen Rückpass erlief, den Torwart ausspielte und ins leere Tor schoss – 1:2 (36.). Als Niki Koch nach einer Ecke das dritte Wallenborner Tor folgen ließ und der gleiche Spieler einen Moment später die dicke Chance zum 1:4 hatte, glaubte niemand mehr so recht an eine Punkteteilung. Niederweis: „Nach dem 1:3 waren wir komplett am Boden, doch nach der Pause spielten wir wie ausgewechselt.“ Fabian Müller traf nach einem Freistoß per Kopf zum 2:3 (55.) und als Julian Paulus mit einem Traumtor aus 20 Metern in den Winkel traf, war die Freude auf Irscher Seite und unter den gut 220 Zuschauern groß. In der Schlussphase wurde es noch mal turbulent. Torchancen en masse sah Wallenborns Trainer Stephan Zimmer. „Wir haben den Start verschlafen, dann aber stark gespielt. Wenn man 3:1 führt und dann noch unentschieden spielt, fühlt sich das wie eine Niederlage an. Doch von den Spielanteilen her war es ein leistungsgerechtes Unentschieden.“ So traf Andy Hesslein die Latte und Zimmers Sohnemann Sebastian wuchtete die Kugel zweimal knapp über das von Maximilian Wirkus gehütete Irscher Tor. Ein mögliches 4:3 für Irsch wurde wegen Abseits nicht gegeben, ein Querpass auf Kramp kam final nicht an. 

SG Nusbaum – SG Bettingen 7:0 (2:0)

Die SG Bettingen geht in dieser Form schweren Zeiten entgegen. In Körperich beim Kirmesspiel hielt das Team von Martin Esch vor 350 Zuschauern 40 Minuten lang gut dagegen und konnte die wenigen guten Aktionen der Hausherren im Keime ersticken. Das sah auch Nusbaums Trainer Frank Hermes so: „In der ersten Halbzeit haben wir gar nicht gut gespielt und hatten keine richtigen Lösungen nach vorn. Oberweis war uns in Sachen Leidenschaft und Kampf sogar überlegen.“ Doch als Eldin Hodzic zweimal unbeobachtet war, passierten die Tore eins und zwei. Erst traf der 20-Jährige mit einem abgefälschten Schuss zum 1:0, zwei Minuten später (43.) brachte er einen Konter zum 2:0 im Bettinger Kasten unter. Nach Wiederbeginn ging es Schlag auf Schlag. Pascal Müller netzte zum 3:0 und 5:0, dazwischen lag das vierte Tor von Fabian Spartz. „In der zweiten Halbzeit ist Oberweis auseinandergebrochen, nach dem 3:0 war die Gegenwehr gebrochen.“ Dass ausgerechnet Timur Crnovrsanin die Tore sechs und sieben erzielte (67., 84.) freute den Nusbaumer Coach sehr. „Timur hat seine großen Offensivfähigkeiten endlich genutzt.“

SG Daleiden – TuS Schweich 2:0 (1:0)

Mit einer starken Leistung sicherte sich Daleiden vor 350 Zuschauern den zweiten Saisonsieg. Im ausgeglichenen ersten Durchgang, bei dem beide Mannschaften Torchancen besaßen, wurde es ein Spiel mit unglaublich hohem Tempo. Die Theis-Elf, die nach drei Unentschieden und dem Sieg vorige Woche im Ruwertal noch ungeschlagen ist, war vornehmlich über Standards und schnellen Umschaltmomenten gefährlich, während die Mosella die Partie 20 Minuten lang kontrollierte. Joschka Trenz erlöste die Zuschauer in der 40. Minute mit einem sehenswerten 25-Meter-Freistoßtor in den Winkel. Daleiden erhöhte im zweiten Abschnitt die Schlagzahl noch einmal und legte nach einem Konter über Jan Mayers durch Pascal Krämer in der 53. Minute das entscheidende 2:0 nach. Auch in der Folge hatten die Westeifeler drei, vier richtig gute Torchancen, um das Ergebnis komfortabler zu gestalten. Andreas Theis war über den Auftritt seiner Elf sehr erfreut: „Es war aufgrund einer sehr dominant geführten zweiten Halbzeit ein verdienter Sieg. Die Innenverteidiger Oliver Becker und Andreas Munkler haben ihre Sache gegen Stephan Schleimer gut gemacht und den Schweicher Torjäger in Schach gehalten.“ Mosella-Trainer Jochen Weber haderte mit der fehlenden Durchschlagskraft nach vorn. „Wir haben keine offensiven Lösungen gefunden. Vor allem in der ersten Halbzeit war es ein sehr intensives Spiel mit hohem Tempo. Der Sieg für Daleiden ist verdient.“ Beim 0:1 habe sein Team ein Traumtor kassiert und beim zweiten Gegentor rutschte Felix Kloy der Ball durch die Hosenträger.

SG Wittlich – TuS Schillingen 0:1 (0:1)

Gerade rechtzeitig seine Spielberechtigung erwirkt hatte Schillingens gesperrter Torjäger Tobias Anell, der in einem Berufungsverfahren der Bezirksspruchkammer vorfristig begnadigt wurde, nachdem er nach seiner Roten Karte im Rheinlandpokalspiel in Osburg für ursprünglich sechs Spiele gesperrt, diese aber auf vier reduziert wurde. Mit dem entscheidenden Treffer in der fünften Minute sorgte Anell bei seinem Trainer Sascha Freytag für große Erleichterung. Ein starkes Dribbling von Mark Münker und anschließendem öffnenden Pass erreichte den Torjäger des TuS, der Wittlichs Schlussmann Mike Neumann keine Chance ließ. Der 27-Jährige hätte kurz vor der Halbzeit auf 2:0 erhöhen können, als Neumann im Torwart-Schützenduell einen Foulelfmeter von Anell parierte (43.). Münker war von Neumann selbst von den Beinen geholt worden und machte seinen Fehler wieder gut. Wittlich kam zwar besser ins Spiel, hatte ein paar Halbchancen , doch zwingend war es nicht. Freytag konstatierte, dass „wir in der zweiten Halbzeit immer mehr unter Druck gerieten, Wittlich uns eingeschnürt hat, doch wir auch gute Kontersituationen besaßen.“ Freytag wechselte verletzungsbedingt aus und hatte durch Christoph Becker, Jonathan Gauer und Anell drei gute Möglichkeiten zur Resultatserhöhung. „Wir haben es versäumt, das Spiel vorzuentscheiden. Wir haben mit Leidenschaft verteidigt und auch ein bisschen Glück gehabt.“ 

SV Zeltingen-Rachtig – SV Speicher 3:3 (0:1)

Im Aufsteigerduell wurden die Punkte an der Zeltinger Brücke geteilt. Zunächst hatte der SV Speicher alles im Griff und ging nach einem Eigentor von Jonathan Kuhn mit einer 1:0-Führiung in die Pause. Artur Poloshenko verpasste die große Chance, für seine Mannschaft auf 2:0 zu erhöhen, doch ein an ihm selbst verursachter Foulelfmeter legte der SVS-Kapitän neben das Tor (53.). Stattdessen nahm Zeltingen Fahrt auf und drehte innerhalb von acht Minuten die umkämpfte Partie. Speichers Trainer Martin Wagener: „In der Viertelstunde nach Wiederbeginn hatten wir gar keinen Zugriff und haben in kürzester Zeit drei Gegentore bekommen. So mussten wir enorm viel Aufwand betreiben, um wieder zum Ausgleich zu kommen.“ Florian Blesius (52.), Alex Kappes (55.) und Yannik Dietz hatten für eine 3:2-Führung der Moselaner gesorgt. Poloshenko und Fabian Frank egalisierten in einer spannenden Schlussoffensive den Zeltinger Vorsprung und entführten den einen Punkt. Fünf Minuten vor Schluss handelte sich Speichers Andrej Pertsch wegen zweier unnötiger, härterer Fouls die Gelb-Rote Karte ein. Doch die Gäste aus der Eifel hätten die Partie sogar noch für sich entscheiden können, doch Justin Marie und Lukas Schwarz vergaben aus besten Positionen. „Wir können zwar mit dem 3:3 leben, doch letztlich waren es zwei verschenkte Punkte, weil wir 75 Minuten lang gut im Spiel waren“, machte Speichers Coach Wagener Abstriche. Zeltingens Cheftrainer, der sich aufgrund holländischer Urlaubsfreuden von Pascal Meschak vertreten ließ, meinte, dass „wir einerseits eine starke Moral bewiesen und das Spiel gedreht haben, den Vorsprung aber durch eigenen Fehler wieder hergeschenkt haben.“ 

SG Rascheid – SG Ruwertal 4:1 (2:0)

Rascheids Spielertrainer Sven Gaspers sprach nach dem Derby gegen Ruwertal von einer „ziemlich klaren Angelegenheit. Wir waren in allen Belangen überlegen und haben eine starke Kollektivleistung erbracht.“ Bereits im ersten Abschnitt stellte Rascheid die Weichen auf Sieg, nachdem Maurice Speicher eine Kopfballvorlage von Robin Moser verwertete (35.). Als eine Kopie des ersten Treffers von Speicher zum 2:0 führte, ging es mit einem beruhigenden 2:0 in die Pause. Das 3:0 besorgte Neuzugang Jonas Mart nach Zuspiel von Lukas Jonas (55.) und Andi Rauen machte mit dem vierten Treffer auf Vorlage von Christian Alt den Rascheider Sieg endgültig wasserdicht (79.). Mathias Biwer sorgte in der 85. Minute mit seinem Tor für die Ruwertaler Ehrenrettung. Hans Schulz stand erstmals wieder in der Ruwertaler Startelf, wurde in der 73. Minute von Daniel Schönberger abgelöst. Eines freute Gaspers neben dem dritten Saisonsieg in jedem Fall: Mit dem Dreier beendete Rascheid eine sieglose Serie von fünf Partien gegen den Derbynachbarn und rückte auf Rang drei vor. (ls)

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