11ER: Die SG Schöndorf musste in den ersten beiden Saisonspielen ingesamt sieben Gegentore hinnehmen. Damit dürften Sie als Trainer, der auf defensive Stabilität setzt, nicht zufrieden sein. Wo liegen aktuell die größten Baustellen?
Alexander Becker: Wir machen einfach zu viele individuelle Fehler. Die Gegentore liegen also nicht daran, dass die Jungs die taktischen Vorgaben nicht umsetzen. Daran müssen wir jetzt arbeiten und versuchen, die individuellen Fehler zu minimieren.
11ER: Individuelle Fehler sind nicht einfach zu beheben. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?
Becker: Es gehört auch dazu, dass die Jungs noch ein paar Probleme mit meinem Spielsystem haben. Wir wollen viel Ballbesitz haben – im letzten Jahr in der Bezirksliga hatte die Mannschaft davon aber weniger. Daran müssen sich einige erst gewöhnen. Da merkt man bei dem ein oder anderen, dass er den Ball nicht aktiv fordert, obwohl er könnte, oder sich in freie Räume bewegt. Das gehört dazu, wenn wir sauber hinten raus spielen möchten.
11ER: Sie haben das letzte Jahr angesprochen. Nach Jahren mit vielen erfolgreichen Platzierungen folgte in der Vorsaison ein Dämpfer. Welchen Eindruck hatten Sie in den ersten Einheiten von der Mannschaft?
Becker: Einen sehr positiven. Wir müssen ehrlich sagen, dass unser Kader dünn ist. Wenn alle da sind, die für die erste Mannschaft eingeplant sind, stehen wir bei 18 Mann. Da fehlen zwei, drei Leute. Die Jungs, die da sind, haben ab Tag eins voll mitgezogen. Sie sind immer da und wir hatten eine gute Vorbereitung. Deshalb bin ich etwas überrascht von unseren bisherigen Ergebnissen. Der richtige Wettkampf ist aber immer noch mal etwas anderes als Testspiele.
11ER: Apropos Personal: Wie ist der Stand bei Kevin Greilich?
Becker: Bei Kevin steht nicht fest, ob er überhaupt noch mal Fußball spielt. Er muss erneut operiert werden und deshalb planen wir nicht mit ihm.
11ER: Wir haben die aktuellen Schwächen Ihres Teams angesprochen. Wo sehen Sie die Stärken der Mannschaft?
Becker: Die Mannschaft ist physisch stark und hat ein gutes Zweikampfverhalten. Da bin ich wirklich positiv überrascht. Jetzt geht es darum, dass wir geordneter als Kollektiv und an unserer Kommunikation arbeiten. Der Abstand zwischen den Ketten ist noch nicht ganz so, wie ich es mir wünschen würde. Da bieten wir unseren Gegnern zu viele Räume und machen es teils unnötig kompliziert, weil wir nicht genügend kommunizieren oder klare Ansagen an die Vorderleute geben. Man hat zum Beispiel gemerkt, dass uns am letzten Wochenende Benedikt Schettgen gefehlt hat.
11ER: Fehlt vielleicht auch jemand wie Michael Hassani, der die Mannschaft in den letzten Jahren als Spielertrainer führte? Gibt es Spieler, die eine solche Führungsrolle übernehmen können?
Becker: Spieler wie Michael oder Flacco hatten ohne Zweifel maßgeblichen Anteil am Erfolg der letzten Jahre. Ich sehe mehrere Spieler, die diese Rolle ausfüllen oder in sie hineinwachsen können. Sie müssen jetzt lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.
11ER: Im kommenden Spiel wartet mit dem TuS Mosella Schweich II der Vorjahresdritte und ein Team, das noch ungeschlagen ist. Was für einen Gegner erwarten Sie?
Becker: Schweich war in den letzten Jahren immer schwer zu bespielen. Sie sind eine eingespielte Truppe und bekommen hin und wieder Spieler von oben. Das macht sie zu einer Wundertüte, ähnlich wie es im letzten Jahr in Tarforst war. Schweich ist eine Mannschaft, die den Ball haben will und aktiv gegen ihn arbeitet. Sie wollen sich nicht hinten reinstellen und Fußball spielen. Das liegt uns wahrscheinlich besser als Gegner, die tief stehen und auf Fehler lauern. Das hatten wir am letzten Wochenende und da machten wir leider Fehler, die Welschbillig ausnutzte.
11ER: Wie sieht es personell für das Wochenende aus?
Becker: Es sieht gut aus. Luca Franzen ist angeschlagen und hinter Lucas Jungandreas steht noch ein Fragezeichen. Das wäre schon ein Verlust für uns. Benni Schettgen ist dafür wieder da und Mike Mokelke ist aus dem Urlaub zurück. Luan Demaj sollte in dieser Woche wieder voll mittrainieren können. Unsere personelle Lage entspannt sich also etwas.
