11ER: Schwierige Situation derzeit. Wie können Sie den Gemütszustand bzw. den allgemeinen Zustand der Mannschaft beschreiben nach dem 0:8 von Strohn?
Thomas Werhan: Der lässt sich einfach mit den Worten beschreiben, dass die Stimmung und die Gemütslage nach dem 0:8 sehr getrübt sind. Es war eine besondere Situation und irgendwie auch beschämend. Im Moment ist die Lage alles andere als positiv. Wir haben ja nicht gegen Schweich oder Tarforst gespielt, sondern gegen eine Mittelfeldmannschaft wie Ellscheid, die auch keine Bäume ausgerissen hat. Personell ist es sehr eng mit den Leuten, sodass immer wieder Leute aus der zweiten Mannschaft nachrücken müssen. Die sind im Begriff, in die B-Liga aufzusteigen, bräuchten auch jeden Mann. Es stehen derzeit einige Fragezeichen im Raum, es ist vieles noch nicht geklärt für die nächste Saison.
11ER: Geklärt ist indes, dass Sie nach vier Jahren bei der SG aufhören. Welches Kurzfazit ziehen Sie?
Werhan: Insgesamt hat das alles super funktioniert in den vergangenen vier Jahren. Im ersten Jahr hat es direkt mit dem Aufstieg in die A-Liga geklappt. Trotz der Verletzung einiger Leistungsträger haben wir dann eine super erste A-Liga-Saison hingelegt, sind Dritter geworden. Im zweiten Jahr in der A-Klasse gelang dann der Aufstieg in die Bezirksliga. Klar, die ersten drei Jahre liefen wie am Schnürchen. Jetzt haben wir Probleme, vor allem in personeller Hinsicht. Es wird schwierig bleiben, die Bezirksliga zu halten. Insgesamt bleibt eine positive Zeit mit zwei Aufstiegen.
11ER: Rächt sich jetzt der zu knapp kalkulierte und recht dünne Kader und dass die SG im Vorfeld der Saison nicht mehr Spieler verpflichten konnte?
Werhan: Könnte man so sagen, wenn es diese Optionen gegeben hätte. Es war von vornherein schwer, Spieler von außerhalb zu bekommen. Wir wollten die Philosophie der SG, mit Eigengewächsen etwas aufzubauen oder weiterzuführen, mit Leben füllen. Der Vorstand hat aktiv um Leute geworben. Klar, wussten wir, dass es eng werden könnte, aber die aberwitzige Verletzungsmisere hat alles über den Haufen geworfen. Selbst ein 19-Mann-Kader hat sich als zu gering herausgestellt. Wir konnten nie auf Formschwankungen reagieren. Es ist schon krass, wenn temporär und jetzt noch immer vier, fünf Schlüsselspieler langzeitverletzt ausfallen. Da nenne ich Kevin Greilich, Benny Schettgen, Luca Franzen, Timo Neumann und jetzt auch Michael Hassani, der nach einem Fingerbruch wohl vier bis sechs Wochen ausfallen wird. Irgendwann gehen dir die Alternativen aus, es fehlt schlicht an Qualität.
11ER: Wie können Sie die derzeitige schwierige Situation meistern?
Werhan: Große Frage: Wir haben schon einiges versucht, sei es Systemumstellungen oder Positionswechsel. Mal habe ich es mit der Peitsche, mal mit warmen Worten versucht. Es ist schwierig, Grundlegendes zu ändern. Es ist wichtig, das Team zusammenzuhalten. Am Sonntag waren wir mit der Mannschaft mit 15 Leuten gemeinsam Pizza essen. So was schweißt auch zusammen.
11ER: Was fordern Sie im Saisonendspurt, um den Klassenverbleib doch noch zu erreichen?
Werhan: Dass alle zusammen da durch müssen und das noch so tiefe Tal der Tränen hinter sich lassen. Wir werden uns nicht aufgeben, solange es rechnerisch noch möglich ist, die Klasse zu sichern. Wir müssen sehr vieles hinterfragen, ob jeder Spieler alles für den Erfolg tut und für die Mannschaft alles reinschmeißt. Jeder sollte sich nach Erfolg sehnen und alles dafür zu tun, dass er zurückkommt.
11ER: Wie schätzen Sie den kommenden Gegner ein?
Werhan: Jeder kann die Tabelle lesen. Das Spiel am Samstag hat Endspielcharakter für beide. Es ist für mich unerklärlich, dass der SV Schleid da unten steht. Sie haben einige Spieler, die schon Oberliga gespielt haben, sind spielerisch noch einmal auf einem anderen Level als wir. Sie werden uns vor allem fußballerisch vor große Aufgaben stellen.
11ER: Welche Erinnerungen haben Sie an das Hinspiel?
Werhan: Beim Spiel damals in Franzenheim hatte Schleid gute Umschaltmomente und bis in die 83. Minute 3:1 geführt. Als einer ihrer Spieler mit Rot vom Platz musste, haben wir gegen zehn Schleider mit einer großen Willensleistung noch zwei Tore in der Nachspielzeit zum 3:3-Endstand gemacht. Routinier Ekrem Demaj hat mit dem 2:3 eine herausragende Aufholjagd eingeleitet.
