Blutige Lippen beim Schiedsrichter, ein Spielabbruch und gefälschte Pässe bei den Sportfreunden Kreuzweiler. Beim Stande von 3:2 für Saarburg in der Kreispokal-Partie hat der Schiedsrichter das Spiel abgebrochen. Anschließend wurde es kurios und blutig.
Spieler rennt Schiedsrichter um
(Palzem) C-Ligist Kreuzweiler jubelt und schlägt dann zu. Gerade ist der 2:3-Anschlusstreffer gefallen. Der B-Ligist SG Saarburg hat es in der 85. Minute nicht eilig und holt den Ball langsam aus dem Tor. Für Kreuzweiler zu viel – Saarburgs Innenverteidiger wird mit dem Ball in der Hand umgestoßen, landet auf dem Boden und spürt anschließend noch die Stollen seines Gegenspielers im Gesicht. „Der Abdruck war deutlich zu sehen“, sagte Saarburgs Coach Michael Sachse nach dem Spiel. Der Schiedsrichter zeigte folgerichtig die Rote Karte – dann ging es rund und die Spieler keiften sich gegenseitig an. Wie aus dem Nichts tauchte auch noch Kreuzweilers Keeper auf und rannte einen Saarburger um. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab.
Damit nicht genug: Im Getümmel lag plötzlich der Schiedsrichter mit blutiger Lippe zitternd am Boden. Kreuzweilers Spieler Tiago Mendes hatte ihn mit voller Wucht und mit den Ellenbogen voraus umgenietet. Saarburg rief die Polizei und das Chaos war perfekt.
Spielerpässe gefälscht – Kreuzweiler meldet ab
Zaungast und Staffelleiter Bernd Hurth sah ein unschönes und kurioses Pokalspiel mit schlimmen Ausgang. Hurth war nicht umsonst am Mittwochabend nach Palzem gereist: „Wir wussten, dass etwas mit den Pässen nicht stimmt und wir waren nah dran, das aufzudecken“, sagte Hurth. Der Enttarnung kam Kreuzweilers Coach Americo Ferreira zuvor. Ferreira gab zu, drei Spielerpässe gefälscht zu haben. „Ich nehme die Schuld ganz alleine auf mich. Es war meine Idee, nur die drei Spieler wussten, was los ist.“ Ferreira tauschte die Bilder der Pässe einfach aus und zauberte sich dadurch neue Spieler. „Ich musste es einfach los werden, der Druck wurde zu groß.“ Trainer Ferreira trat nach dem Spiel zurück und will noch heute beide Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden.
Grund für die Fälschung seien zu wenige Spieler gewesen: „Wir hätten sonst gar keine Mannschaft stellen können. Der Verein ist verschuldet und es geht vorne und hinten nichts mehr. Hinzu kommen die Undisziplinierten der Spieler, für die ich so einiges getan habe. Ich wollte einfach nicht mehr weiter machen. Mit solchen Leuten möchte ich nichts mehr zu tun haben.“ Einigen Spielern habe er 100 Euro für Benzingeld gegeben oder sie über weite Strecken von Zuhause abgeholt, um sie nach den Spielen wieder heim zu fahren. „Solche Sachen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. Es sind einfach zu viele geworden“, sagte Ferreira.
Bei den Sportfreunden Kreuzweiler spielen viele Portugiesen und Luxemburger, wie etwa Torwart Pedro Miguel Parreira Cardoso. Coach Ferreira habe erst vor kurzem erfahren, dass sein Keeper aufgrund einer luxemburgischen Lizenz gar nicht spielberechtigt sei. „Er hat sie einfach so beantragt, davon wussten wir zunächst nichts. Dadurch hätten wir die letzten zwei Spiele, in denen er gespielt hat, eh verloren.“
Lange Sperre droht – Kritik am Passverfahren
Kreuzweilers Noch-Coach will mit Fußball erstmal nichts mehr zu tun haben: „Jetzt werden wohl alle mit dem Finger auf mich zeigen – zurecht, da muss ich nun durch. Die Strafe muss sein und ich werde wohl auch ein Jahr gesperrt werden. Aber ich will nun auch ein Jahr Pause machen.“
Staffelleiter Bernd Hurth führte danach ein langes Gespräch mit dem Noch-Coach der Sportfreunde: „Ich habe ihm geraten, sich beim Verband selbst anzuzeigen. Nun warten wir auf eine Stellungnahme des Vereins. Danach entscheiden andere Instanzen, welche Strafen dem Verein blühen.“ Dem Schiedsrichter ist zum Glück nichts passiert. „Ich habe mit ihm gesprochen und es ist alles ok“, sagte Hurth, der gleichzeitig Kritik an der Passvergabe äußerte: „Die Daten gehen online nach Koblenz und man erhält ein Blankoformular zurück, in das man ein Foto einklebt. Das öffnet dem Betrug Tür und Tor – da muss etwas passieren.“