11ER: Wenn man gemeinsame Nenner bei den letzten Niederlagen sucht, wären es vermutlich individuelle Fehler. Können Sie dennoch Positives aus den letzten Auftritten ziehen?
Michael Dziubany: Ja, auf jeden Fall. Die Einstellung stimmt und unsere Mannschaft gibt sich nicht auf. Der Einsatz im Training ist da. Wir haben auch einen breiten Kader und in jedem Spiel 18 bis 20 Mann dabei. Die Mannschaft ist intakt und bleibt in der kommenden Saison zusammen – unabhängig von der Liga. Die Kameradschaft untereinander und die gute Stimmung sprechen für unser Team. Wir sind eine Mannschaft, die prinzipiell in der B-Klasse spielen will. Die C-Klasse ist nichts für uns. Enge Spiele machen uns mehr Spaß, als 10:0 zu gewinnen. Am Ende sind es Kleinigkeiten, die in der B-Klasse entscheiden – oder individuelle Spieler. Das hat man gegen Kordel mit Willems gesehen. Wenn jemand schon Oberliga gespielt hat, ist das ein ganz anderes Kaliber. Wir haben vielleicht nicht diese herausragenden Einzelspieler und arbeiten übers Kollektiv. Ich nenne uns gerne La Familia. Wir haben jetzt auch drei Kolumbianer in unserer Mannschaft, an denen man gut sieht, wie groß wir Inklusion und Integration schreiben. Jeder bekommt bei uns eine Chance. Ich komme selbst von der Nahe und wurde selbst super aufgenommen. Das ist etwas Besonderes. Wir spielen Fußball als Gemeinschaft und da kann man als Trainer auch individuelle Fehler verzeihen. Beim nächsten Mal versucht man, es dann besser zu machen.
11ER: Sie sagten vor ein paar Wochen, dass sich die Situation nach der schwachen Wintervorbereitung gut entwickelt habe. Dieser Trend setzte sich also fort?
Dziubany: Im Winter dachte ich, die Tür kann ich zumachen. Da standen wir oft nur mit sechs Mann auf dem Platz. Durch unsere drei neuen Spieler, die bei jedem Training sind, hat sich einiges getan. Das hat auch anderen gezeigt, dass sie mehr machen müssen. Wenn du nur mit elf Spielern trainierst, weiß jeder, dass er so oder so spielt. Trainiert man mit 20, muss man um seinen Platz kämpfen. Für mich war Disziplin und Einsatz schon immer wichtig. Abmeldungen gibt es nur telefonisch und wer nicht im Training ist oder sich dort nicht zeigt, spielt auch nicht. Ich selbst habe in letzter Zeit nicht gespielt, weil einfach 20 andere im Training besser waren. Wir bewegen uns in die richtige Richtung und hoffentlich reicht es noch.
11ER: Die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Kenn II ist klar: Ihre Mannschaft muss gewinnen, während Kenn schon ein Punkt zum Klassenerhalt ausreicht. Am letzten Spieltag trifft Kenn dann allerdings auf Züsch, Ihr Team auf Schweich III. Wie bewerten Sie die Lage? Was für ein Spiel erwarten Sie?
Dziubany: Ich erwarte ein intensives und interessantes Spiel. Es ist Abstiegskampf und am Ende wird zählen, wer es mehr möchte. Wir haben einen vermeintlich einfacheren Gegner am Ende, während Züsch noch um den zweiten Tabellenplatz spielt. Sie müssen beide Spiele gewinnen, was ein Nachteil für Kenn sein kann. Im Endeffekt haben wir es also in der eigenen Hand. Drei Punkte gegen Kenn und ein Punkt gegen Schweich könnten zum Klassenerhalt reichen. Das macht das direkte Duell noch mal spannender. Es ist ein richtiges Abstiegskampfduell wie Wolfsburg-Pauli. Ich bin gespannt, ob es ein Kampfspiel mit wenigen Chancen wird oder ein Spiel mit offenem Visier. Es ist wirklich interessant – auch von Trainerseite. Wir müssen uns auch fragen, wer spielt und wer diesem Druck als Spieler standhält.
11ER: Im Hinspiel verpasste Ihre Mannschaft den Sieg, nachdem man in der 90. Minute einen Elfmeter verschoss und Kenn in letzter Sekunde ausglich. Was muss Ihr Team im Rückspiel besser machen?
Dziubany: Beim Hinspiel war ich nicht da und verfolgte das Spiel nur über den Ticker. Als es Elfmeter gab und Yannik antrat, dachte ich, das ist das 2:0 und das Spiel ist entschieden. Dass es am Ende anders kam, war ein echter Nackenschlag. Was wir jetzt besser machen müssen? Ein Tor mehr schießen als Kenn. In letzter Zeit zeigten wir gute Spiele, spielten schön und waren am Ende trotzdem der Verlierer. Am Sonntag können wir gerne schlecht spielen, solange wir denn gewinnen.
11ER: Wie wird Ihre Mannschaft im Abstiegsendspiel besetzt sein?
Dziubany: Mein Co-Trainer verletzte sich im Training am Knie und fällt aus. Wir werden eine schlagkräftige Truppe stellen und waren die Saison über immer eigenständig, brauchten nie viel Unterstützung. Wir werden auch an diesem Wochenende 18 bis 20 Mann dabei haben. Unsere Spieler sind motiviert und das zeigt sich auch darin, dass sie an Vatertag trainieren und danach gemeinsam essen wollen. Jeder will gegen Kenn auf dem Platz stehen.
