Es war kein Spiel für schwache Nerven. Mit einem sprichwörtlich auf den letzten Drücker gezogenen 3:2-Sieg verteidigte die DJK St. Matthias ihre Tabellenführung vor dem Lokalrivalen SV Trier-Irsch und riss den Gegner VfL Trier gleichzeitig mit in den Abstiegsstrudel.
Es war ein Derby, das alles hatte an Emotionalität, Führungswechseln und dramatischen Szenen in der Schlussphase. Doch von vorne: Die DJK begann druckvoll und hätte nach fünf Minuten in Führung gehen können, sogar müssen. Doch Rubin Hassan brachte einen Foulelfmeter nicht im VfL-Kasten unter, weil deren Keeper Maurice Mangerich schnell abtauchte und den Schuss parierte. Nachdem der VfL die erste Druckphase des Tabellenführers überstanden hatte, wurde er mutiger und kam nach einer halben Stunde zur Führung. Matheus Maciell hatte einen Steckpass auf Aniel Oliveira gespielt, der den aus seinem Tor eilenden DJK-Torwart Leon Gerhard mit einem Lupfer aus gut 25 Metern überwand – 0:1 (31.). Mattheis antwortete rasch in Halbzeit zwei, kam durch den starken Josip Komso drei Minuten nach Wiederbeginn zum 1:1-Ausgleich. Dieser hatte eine butterweiche Flanke von Philippe Gericke volley aus 16 Metern ins VfL-Tor gehämmert (48.). Doch keine zwei Minuten später hieß es schon wieder Tor für die Gäste, die eine passende Antwort auf den Ausgleich gefunden hatten. Nach Freistoß von Noah Laros köpfte David Scheiring die Kugel ins lange Eck – 1:2 (50.). Wieder waren die Hausherren geschockt, doch sie kamen zurück – und wie. Sieben Minuten nach der abermaligen VfL-Führung traf Komso zum 2:2. Der wurde vorm Sechzehner nicht richtig attackiert, sodass sein 18-Meter-Schuss halbhoch im rechten Eck einschlug – 2:2 (57.). Mit Willen, Überzeugung und dem Quäntchen Spielglück gelang der DJK in der vierten Minute der Nachspielzeit dann doch noch der 3:2-Siegtreffer. Ahmed Boussi hatte einen Abschlag des Torhüters abgefangen und direkt auf Baran Hassan gespielt. Der ging unwiderstehlich ins Dribbling und traf rechts unten zum viel umjubelten 3:2. DJK-Spielertrainer Ahmed Boussi traf folgende Einschätzung: „Wir haben direkt von Beginn an unseren Fußball gespielt und den Ball schnell zirkulieren lassen. Der VfL hat sich 30 Meter vor seinem Tor festgenagelt und sehr tief gestanden. Es war eine Monsteraufgabe für uns, da durchzukommen, weil der VfL auch immer wieder schnell umgeschaltet und für Torgefahr gesorgt hat. Wir hatten 80 Prozent Ballbesitz. Schade, dass uns ein Tor wegen Abseits aberkannt wurde. Dann haben wir ärgerlicherweise einen Elfmeter vergeben. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas ruhiger agiert und uns nicht mehr von der Hektik beeinflussen lassen. Das 1:1 war folgerichtig. Doch beim zweiten Gegentor, das mich sehr geärgert hat, haben wir eine klare Zuordnung vermissen lassen, als Scheiring frei zum Kopfball kam, obwohl ich explizit auf solche Dinge hingewiesen hatte. In einer dramatischen Schlussphase, als zwei frische Kräfte und ich ins Spiel kamen, haben wir den Turnaround doch noch in der Nachspielzeit geschafft. Kompliment an die Mannschaft, wie sie zwei Rückstände egalisiert hat und den Willen hatte, noch einen draufzusetzen.“ VfL-Trainer Marco Neumann stand die Enttäuschung über das ausgebliebene Erfolgserlebnis im Derby ins Gesicht geschrieben. „Ein Remis wäre gerecht gewesen. Es war jetzt das achte Spiel in dieser Saison, das wir in der Nachspielzeit entweder verloren oder remis gespielt haben. 70 Minuten waren wir richtig drin in diesem Derby. Taktisch haben die Jungs bis dato alles perfekt umgesetzt, weil wir auch viel Leidenschaft ins Spiel gebracht haben. Anfangs hatten wir Glück gehabt, doch wir sind mit 1:0 in die Pause. Die ersten Minuten nach der Halbzeit haben wir komplett verschlafen, dann aber wieder eine zeitnahe Antwort gefunden. Das Momentum lag bei uns. Nach dem 2:2 ist eine halbe Stunde nichts passiert. Mit Baran Hassan hat ein Ausnahmespieler das Spiel leider gegen uns entschieden.“
Foto: Archiv/Weinandy
