11ER: Was überwog nach dem Unentschieden: Die Freude über den Punktgewinn oder doch der Frust, dass es am Ende nicht zum Auftaktsieg reichte?
Ahmed Boussi: Ich hatte wirklich gemischte Gefühle. Ich kann mich mit beidem sehr gut anfreunden. Gegen so eine starke, erfahrene Mannschaft wie Tawern hätten wir den Punkt vor Spielbeginn direkt unterschrieben. Wenn man den Spielverlauf betrachtet, ist es dann schon ärgerlich. Uns hätte ein Elfmeter zugesprochen werden können und Josip Komso hatte eine Eins-gegen-eins-Situation, die er zwingend nutzen muss. Ich würde also sagen, dass wir ein Chancenplus gegenüber Tawern hatten.
11ER: Die Neuzugänge Kasym Nazarov, Rafael Dalinger und Leo Reh spielten im ersten Spiel direkt von Beginn an. Welchen Eindruck hinterließen die Neulinge?
Boussi: Sie hinterließen von Anfang an einen super Eindruck. Sie haben uns in der Vorbereitung beeindruckt und spielten nicht umsonst von Beginn an. Wir wissen aber, dass wir als Team noch zusammenwachsen müssen und dass das Zeit braucht. Julius Barbion fehlte uns leider urlaubsbedingt, aber auch auf ihn halte ich große Stücke. Auch alle anderen Neuzugänge, die an diesem Wochenende nicht spielten, sind eine tolle Bereicherung für unsere Mannschaft.
11ER: Ihr Team hatte nach der Saison namhafte Abgänge. Können die Neuzugänge diese eins-zu-eins ersetzen oder muss diese Last auf mehrere Schultern verteilt werden?
Boussi: Ich habe genau darauf in meiner ersten Ansprache vor dem Team hingewiesen und gesagt, dass ich es unseren Neuzugängen gegenüber nicht gerecht finde, ihnen diese Aufgabe aufzubürden. Wir müssen ehrlich sein: Die Spieler, die uns verließen, hatten ganz besondere Fähigkeiten. In Jamal Abdulrafiu sehe ich die Zukunft von Eintracht Trier. Er hat enorme Qualität und ich hoffe, dass er sich durchsetzen kann. Philippe Gericke war unser Kapitän und ein Lautsprecher auf dem Platz. Er war ein Spieler, der die Mannschaft wachrütteln konnte. Leon Gerhard war ein gestandener Torwart, der uns Sicherheit gab und auch Kingsley Essouma darf man nicht vergessen. Unsere Neuzugänge helfen uns dabei, diese Spieler in der Breite zu ersetzen. Wobei „ersetzen“ für mich kein tolles Wort ist. Unsere neuen Spieler haben andere, eigene Fähigkeiten. Sie sollen kein Ersatz sein, sondern bei uns einen neuen Weg gehen.
11ER: Das Auftaktprogramm Ihrer Mannschaft hat es in sich: Nach Tawern wartet Sirzenich, dann Schoden, gefolgt vom Pokalspiel gegen Rheinlandligist Tarforst …
Boussi: Es sind spannende Wochen für uns und wir sind in der Bezirksliga von Beginn an gefordert. Das finde ich aber gut. Wir können uns direkt mit einigen der Besten messen und sehen, wo wir Nachholbedarf haben. Ich bin also sogar dankbar für unser Auftaktprogramm. Klar kann man sagen, dass das nach ein paar Niederlagen schon anders aussehen kann und jeder Punktgewinn Selbstbewusstsein bringt, doch auch bei Niederlagen ist es toll, sich mit solchen Mannschaften messen zu dürfen.
11ER: Wie schätzen Sie den SV Sirzenich ein?
Boussi: Sirzenich ähnelt Tawern, ist aber vielleicht noch jünger aufgestellt. Sie haben den ein oder anderen erfahrenen Spieler dabei und Kingsley kam von uns. Mit Spielern wie Luca Bierbrauer und Robin Esser haben sie viel Spielwitz in ihren Reihen. Mit Kevin Walter ist auch immer zu rechnen.
11ER: Für Ihre Mannschaft ging es in den letzten Jahren stetig bergauf und schon im zweiten A-Klassen-Jahr zählte man zu den Topfavoriten. In dieser Saison sind die Vorzeichen andere. Wie geht Ihr Team mit dieser Situation um?
Boussi: Sie haben absolut recht. Wir haben die neue Situation angesprochen und der Mannschaft klargemacht, dass die Erwartungshaltung in dieser Saison eine andere ist. Wir müssen lernen, anders mit Rückschlägen umzugehen. Seit ich in Matthias Trainer bin, spielten wir immer um die vorderen Plätze. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass wir einige Rüffel bekommen und lernen, uns schnell davon zu erholen. Wir haben also früh kommuniziert, dass es Phasen geben wird, in denen wir vielleicht nicht punkten. Da müssen wir gelassen bleiben und weiter arbeiten.
11ER: Wie ist die Personallage vor dem Gastspiel in Sirzenich?
Boussi: Wir sind eigentlich gut aufgestellt. Yannic Heider heiratet und wird fehlen. Hinter Fabio Hildebrand und Ben Pies stehen noch Fragezeichen. Baran Hassan meldet sich hoffentlich gesund und Julius Barbion sollte eine Option sein.
