Im Derby in Wiltingen war allerhand geboten. Die 200 Zuschauer sahen nicht nur sieben Tore, sondern auch gutklassigen Offensivfußball. Am Ende reichte es für die Gäste aus Kanzem nicht mehr für einen Punkt.
Die Weintaler zündeten von Beginn an den Turbo und führten bereits nach 13 Minuten mit 1:0. Louis Berens hatte sich über die linke Seite durchgetankt und legte in der Box zu Carsten Schuh zurück, der keine Mühe hatte, einzuschieben. Vier Minuten später klingelte es zum zweiten Mal im Kanzemer Kasten, als sich die Gäste-Abwehr mit einem Dribbling selbst in die Bredouille brachte, Berens den Ball eroberte und völlig freistehend auf 2:0 stellte (17.). Als wiederum vier Minuten später das dritte Tor für die hellwachen Weintaler fiel, glaubten die Allerwenigsten noch an einen knappen Spielausgang. Ein Freistoß von Herbert Stuhlberg flog präzise in den Strafraum. Weil der Kanzemer Torwart mit dem Herauslaufen zögerte, sagte Maurice Mertz Danke, als er aus Nahdistanz einköpfte (21.). Als dann auch noch Kanzems Nick Klasen verletzungsbedingt raus musste, wurde es noch schwieriger für die Gäste. Doch die berappelten sich und schlugen noch vor der Pause eiskalt zurück. Marco Jäger traf nach Vorarbeit von Tim Vogel zum 3:1 (39.). Als Vogel drei Minuten später den Anschlusstreffer erzielte, war der Spielverlauf komplett auf den Kopf gestellt. Nach kurzem Abtropfen seines Bruders Carsten schlug der Distanzschuss von Tim Vogel unhaltbar unten links ein – 3:2 (42.). Beinahe wäre Vogel noch das 3:3 geglückt, als Philipp Benzkirch gerade noch so parierte. Die Vorentscheidung reifte, als Schu mit seinem zweiten Treffer zum 4:2 nach Steckpass von Eric Henter nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte (68.). Doch plötzlich wurde es doch noch mal spannend, als die nimmermüden Gäste zum dritten Mal trafen. Carsten Vogel kam aus 18 Metern frei zum Schuss – das 4:3 ließ eine heiße Schlussphase erahnen. Als Johannes Thelen in höchster Not klärte, zogen die Weintaler den knappen Sieg über die Bühne. Während die SG Weintal mit dem 4:3-Sieg das Abstiegsgespenst weit von sich schieben konnte, hängen die Kanzemer wieder komplett untendrin. Doch noch rangieren sie über dem Strich.
Die Einschätzung von Weintal-Trainer Dominik Bosl fiel folgendermaßen aus: „Wir sind gut reingekommen, haben ordentlich Druck in der Anfangsphase aufgebaut und lagen schnell 3:0 in Front. Wir konnten den Gegner im Spielaufbau immer wieder stören und sie früh zu Fehlern zwingen. Der Wawerner Torwart Hrdlicka hat das Spiel durch zwei, drei Paraden offengehalten. Ansonsten hätte es auch 4:0 oder 5:0 stehen können. Das 3:1 fiel aus dem Nichts, kurz darauf das 3:2, weil wir einmal vorne nicht so richtig angelaufen sind. So konnte Wawern mit zwei leichten Bällen die Situationen auflösen. Kurz vor der Halbzeit hätten sie auch das 3:3 machen können. In der zweiten Halbzeit wollten wir weiter anlaufen und Druck ausüben. So sind wir 4:2 in Front gezogen und haben uns schön durchkombiniert. Der Torwart hat den Ball über 80 Meter nach vorne gekloppt. Da wurde es oft gefährlich. Doch Lukas Kugel und Johannes Thelen haben diese langen Bälle gut wegverteidigt. Über schnelle Umschaltmomente haben wir den ein oder anderen Konter gefahren, auch wenn es nach dem 4:3 noch mal eng und auch hitziger wurde. Es war ein relativ faires Derby mit ein paar unschönen Gesten von Wawerner Seite zum Schluss. Wir sind froh, dass wir die drei Punkte einfahren konnten und damit einen guten Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht haben.“
Kanzems Trainer Carlo Müller attestierte seiner Mannschaft ein „sehr couragiertes und ordentliches Auswärtsspiel“. Wie der am Saisonende scheidende Trainer betont, ist seine Mannschaft durch drei individuelle Fehler in Rückstand geraten. „Anschließend haben wir uns super gefangen und sind noch mal rangekommen. Das 4:2 war allerdings klares Abseits. Ich weiß nicht, warum man dann mit einem Gespann anreist, wenn solche Szenen nicht gesehen werden. Ein Tor hat gefehlt, wir haben einen Fehler zu viel gemacht. Hintenraus ist uns personell auch etwas die Puste ausgegangen.“
Foto: Archiv/Sandra Maes
