11ER: Die Lage ist alles andere als zuversichtlich. Wie konnte die Mannschaft nach der Winterpause derart in den Abstiegsstrudel geraten?
Taner Weins: Da kommen viele Faktoren zusammen: Die enorme Verletzungs-Historie macht mich ratlos. Da sind Kniegeschichten dabei genauso wie muskuläre Sachen. Es kommt einiges an Unvermögen zusammen, weil wir Riesenchancen nicht nutzen. Es fehlt uns an Cleverness, wobei die Vorbereitung nicht berauschend war wegen der Krankheitswelle. Aus dieser Abwärtsspirale kann man nur schwer herauskommen, wenn man einmal drinsteckt. Das nimmt dann so eine Art Eigendynamik an.
11ER: Der Kader scheint trotz der langen Ausfallliste breit genug. An der Quantität fehlt es sicher nicht. An welchen Dingen krankt die Mannschaft derzeit?
Weins: Es sind vier, fünf Führungsspieler weggebrochen, die du nicht kompensiert bekommst. Manche machen Abiturprüfungen, manche Abschlussprüfungen, andere wieder Meisterprüfungen, die sich zu den Verletzten hinzugesellen. Da kommt automatisch die Frage nach der Qualität auf. Die ist durchgängig eben nicht da. Von den 30 Spielern, die wir insgesamt im Kader hatten, sind 15 übrig geblieben. Die Coolness im Abschluss fehlt und es fehlt an der nötigen Einstellung und Bereitschaft im Abstiegskampf. Von unserem durchaus vorhandenen großen Potenzial rufen wir einfach zu wenig ab.
11ER: Wie schätzen Sie den nächsten Gegner ein, denn Franzenheim befindet sich in einer ähnlich prekären Lage, hat aber einen wesentlich kleineren Kader zur Verfügung?
Weins: Franzenheim ist eine robust agierende Mannschaft, die ein paar Spielertypen mit Erfahrung in ihren Reihen haben, wie Michael Hassani und Benny Schettgen. Sie schlagen gefährliche Ecken und Freistöße und sind auch über ihre weiten Einwürfe zu beachten. Das ist ein eingeschworener Haufen, der Qualität und Charakter zu besitzen scheint. Sie haben Salmrohr geschlagen. Das ist bemerkenswert. Das wird für beide ein wegweisendes Spiel. Wenn du das Spiel nicht gewinnst, gegen wen willst du dann überhaupt noch gewinnen? Es wird am Samstag eine Charakterfrage.
11ER: Welche eigenen Stärken muss Ihre Mannschaft einbringen, wenn sie das Spiel gewinnen möchte?
Weins: Jeder muss seinen eigenen Beitrag leisten und sein Ego hinten anstellen. Das heißt: laufen, sprinten, Zweikämpfe für sich entscheiden. In erster Linie müssen wir kompakt stehen, zu Null spielen und im letzten Drittel korrekte Entscheidungen treffen. Es geht um den ersten und zweiten Kontakt, um Entschlossenheit, aber auch darum, die mentalen Blockaden zu lösen. Jeder sollte sich selbstkritisch hinterfragen, ob er alles im Sinne des Vereins tut. Schuldzuweisungen brauchen wir nicht, sondern Typen, die sagen, dass mit dem Lari-Fari-Fußball jetzt Schluss ist und alle ranklotzen müssen.
11ER: Welche Stärken bringt ihr Winterneuzugang Jannik Grün mit?
Weins: Jannik besitzt Oberligaerfahrung, ist spielintelligent und ein Leadertyp durch und durch. Er hasst es, zu verlieren. Er ist auch jemand, der die Drecksarbeit verrichtet, sich über gewonnene Zweikämpfe definiert und klare Anweisungen an die Spieler gibt.
11ER: Welche Stärken bringt ihr Youngster Robin Braun mit?
Weins: Mich hat von Anfang an seine Unbekümmertheit begeistert, die er mit 18 Jahren hat. Derzeit fehlt ihm ein bisschen das Selbstvertrauen. Gegen Salmrohr hat Robin zwei Tore vorbereitet. Er ist ein Schleider Junge und verfügt als Rechtsaußen über viel Tempo und fungiert zudem als Passgeber. In der Robustheit und der Arbeit gegen den Ball hat Robin noch viel Luft nach oben.
