11ER: Wie schwer war der Ritt in Hillesheim beim 1:0-Sieg wirklich?

Patrick Zöllner: In Hillesheim war die Hürde wie erwartet schwierig. Wir haben gegen einen Gegner gespielt, der eine gute Grundordnung hatte, der läuferisch und zweikampfmäßig gut aufgestellt war, also die Räume eng gemacht hat. Da mussten wir erst mal Lösungen finden, das Tempo hochhalten. Und deswegen sind wir auch erst in der 85. Minute, nachdem der Druck dann immer höher wurde, mit 1:0 in Führung gegangen und konnten das Spiel dann mit 1:0 für uns entscheiden. Ich glaube, zusammenfassend soll man wirklich sagen, dass es die erwartet schwierige Spiel war gegen einen gut organisierten Gegner, der auch zweikampfmäßig und von der Laufbereitschaft her sehr gut war. Umso schöner ist es, das Spiel mit 1:0 zu gewinnen. Das sind die wichtigen Spiele in der Saison.

11ER: Ihre Mannschaft zieht weiter einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze. Wer kann ihnen überhaupt noch gefährlich werden in einem Spiel?

Zöllner: Grundsätzlich können uns natürlich noch in dem Sinne alle Mannschaften gefährlich werden, weil sie uns alle Punkte abnehmen können, die wir brauchen, um aufzusteigen. Alle Teams sind gegen uns immer ein Tick, würde ich sagen, auch extra motiviert, wollen uns die erste Niederlage in der Saison beibringen. Tabellenmäßig sieht es natürlich so aus, dass die TuS Mosella Schweich der ärgste Verfolger ist, die ich auch persönlich für die stärksten Konkurrenten halte.

11ER: Sehen Sie ihre Mannschaft bereits als Rheinlandligaaufsteiger? Wenn nein, warum nicht?

Zöllner: Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Mein Schwiegervater, der schon verstorben ist, hat immer das Sprichwort benutzt und das habe ich wirklich verinnerlicht. Daher werden wir jeden Gegner ernst nehmen und in jedem Spiel erstmal unsere Leistungen bringen. Und wenn die stimmt, dann erhöhen wir massiv die Möglichkeit für einen Aufstieg.

11ER: Als verantwortlicher Trainer des FSV Tarforst war es Ihnen stets wichtig, transparent zu sein in der Planung. Jüngst wurde bekannt, dass Sie den Verein im Sommer verlassen und dass es mit Moritz Hannappel bereits eine Nachfolger gibt. Wie haben Sie die vergangenen Wochen gesehen bzw. empfunden?

Zöllner: In den vergangenen Wochen standen die Vereinsführung und ich in einem offenen und ehrlichen Austausch über die kommende Saison. Alle Themen wurden transparent besprochen und es gab zu keinem Zeitpunkt Unklarheiten über die jeweiligen Standpunkte. Für mich war entscheidend, mehr Sicherheit in der Kaderplanung für die neue Spielzeit zu bekommen. Bei einigen Spielern bestehen noch Fragezeichen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und auch potenzielle Neuzugänge konnten bislang keine verbindlichen Zusagen geben. Unter diesen Voraussetzungen wollte ich keine frühzeitige Entscheidung treffen, hinter der ich sportlich nicht zu hundert Prozent stehen kann. Der Verein hatte hingegen das nachvollziehbare Interesse, frühzeitig Planungssicherheit auf der Trainerposition zu erhalten, um die weiteren Schritte für die kommende Saison verlässlich gestalten zu können. Hier lag letztlich die unterschiedliche Priorität: Mein Fokus lag auf der Kadersicherheit, der Fokus des Vereins auf der Trainersicherheit. Da beide Ziele zum jetzigen Zeitpunkt nicht gleichzeitig erfüllt werden konnten, hat sich der Verein entschieden, die Trainerfrage frühzeitig zu klären und eine neue Lösung zu benennen. Diese Entscheidung respektiere ich selbstverständlich. Mit 51 Jahren stellt man sich auch grundsätzlich die Frage, wie lange man diese intensive Aufgabe noch ausüben möchte. Sollte sich meine Trainerlaufbahn tatsächlich dem Ende nähern, wäre es mein persönlicher Wunsch, sie mit einem gemeinsamen sportlichen Erfolg abzuschließen – im besten Fall mit dem Aufstieg in die Rheinlandliga.

11ER: Jetzt haben Sie ihren Rückzug als Trainer angekündigt. Was machen Sie ab August in sportlicher und fußballerischer Hinsicht?

Zöllner: Gedanken habe ich mir eigentlich noch keine so richtig gemacht, weil ich erstmal grundsätzlich ein bisschen Erholung brauche. Die letzten Jahre waren sehr anstrengend. Zunächst, als ich nach Tarforst kam, hatte ich ja nur fünf Spiele und konnte die Mannschaft vom Abstieg retten. Im nächsten Jahr haben wir die ganze Saison über gegen den Abstieg gespielt. Das war sehr, sehr kräftezehrend auch für den Trainer. Dieses Jahr läuft es natürlich viel, viel besser, aber es ist dennoch für den Trainer anstrengend, weil man den Fokus permanent hochhalten muss, um Woche für Woche abzuliefern. Für die Zukunft sollte man generell immer offen sein.

11ER: Welche Stärken sehen Sie bei Felix Stüber?

Zöllner: Felix ist für mich ein typischer Box-to-Box-Spieler. Er ist noch jung, hat aber in diesem Jahr eine sehr positive Entwicklung gezeigt. Seine Zweikampfführung ist energischer und robuster geworden, sein Gegenpressing und seine Ballgewinne funktionieren sehr gut. Im Kombinationsspiel kann er noch ein wenig zulegen. Die zahlreichen Einsätze zeigen, dass der Trainer mit seiner Leistung sehr zufrieden ist – trotz seines jungen Alters.

11ER: Was zeichnet ihre Mannschaft in diesen Wochen aus?

Zöllner: Seit etwa drei Wochen merkt man, dass wir im Training wieder mehr Spieler zur Verfügung haben. Die meisten Verletzungen sind auskuriert, die Urlaubszeit ist vorbei, sodass wir eigentlich mit einer hohen Anzahl an Spielern trainieren können. Das zeigt sich auch in den Leistungen, weil Konkurrenz belebt einfach das Geschäft. In den Spielen zeigt das Team immer eine hohe Energie und eine hohe Bereitschaft, die Spiele gewinnen zu wollen. Wir haben einen sehr, sehr ausgeglichenen Kader, können uns momentan sogar „leisten“ die Topspieler der A-Jugend weiterhin bei der A-Jugend spielen zu lassen, wie Phil Scheuring und Pascal Probst, obwohl sie regelmäßig bei der ersten Mannschaft trainieren und auch schon Einsätze bekommen haben. Die Spieler, welche momentan nicht zum Zuge kommen, können wir bei der zweiten Mannschaft einsetzen.