„Ritt auf der Rasierklinge“

Frank Meeth – SV Rot-Weiss Wittlich

02. Dezember 2021, 18:59 Uhr

11ER: Ihre Mannschaft ist derzeit nicht aufzuhalten und auch nach 16 Ligaspielen noch ungeschlagen. Wie haben Sie es bzw. die Mannschaft geschafft, dem hohen Erfolgsdruck gerecht zu werden?

Frank Meeth: Die Jungs haben sich einfach von Spiel zu Spiel entwickelt. Durch den Saisonstart haben wir uns so durchgewurschtelt nach der katastrophalen Vorbereitung und den vielen Fehlzeiten. Die ersten Spiele haben wir demzufolge auch alles andere als souverän gewonnen. Doch weil wir diese Spiele dann doch gewonnen haben, auch wenn sie in jeweiligen Schlussphasen zustande kamen, ist die Mannschaft nach und nach zusammengewachsen. Diese Erfolgserlebnisse haben das Team zusammengeschweißt. Das war anfangs ein Ritt auf der Rasierklinge. Zum Glück, dass das gut gegangen ist. Weil wir durch Verletzungen wenige Alternativen hatten, mussten einige auf für sie ungewohnten Positionen spielen. Auch das hat die Mannschaft gut angenommen und so aus der Not eine Tugend gemacht. So gab es auch wenig unzufriedene Spieler, weil jeder das Gefühl hatte, gebraucht zu werden.


11ER: Alles scheint auf einen Zweikampf zwischen Ehrang und Rot-Weiss hinauszulaufen. Was ist in den restlichen Spielen im alten Jahr wichtig und auch möglich?
Meeth: Nach so einer Vorrunde wollen wir die letzten beiden Partien natürlich auch seriös angehen und möglichst gewinnen. Selbst wenn Ehrang sein Nachholspiel in Schweich gewinnt, wären es zwei Punkte Vorsprung. Auch das ist Wahnsinn, wie beide da vorneweg marschieren. Wir dürfen auf keinen Fall locker lassen und uns Ausrutscher erlauben. Ehrang bleibt hartnäckig dran. Wenn wir es schaffen, die zwei Spiele – das heißt am Sonntag in Arzfeld und nächsten Sonntag in Zeltingen – noch zu gewinnen, wäre das schon Wahnsinn. Mich macht zuversichtlich, dass wir nach der Winterpause mit Daniel Braun und Meliani Saim noch zwei Topspieler in der Hinterhand haben. Die haben auch noch riesig viel Qualität und waren ja auch potentielle Stammspieler.

11ER: Wie fällt ihre Einschätzung zum Gegner aus, denn es war ihnen ja noch nicht vergönnt gegen Arzfeld zu gewinnen?
Meeth: Hut ab vor Arzfeld, das muss ich erstmal voranschicken. Ich habe Arzfeld in dieser Saison zweimal gesehen und letzte Woche auch mit dem Schweicher Trainer Jochen Weber telefoniert. Arzfeld hat ein überragendes Kollektiv, sie werden auch nicht nervös, wenn sie wenig Ballbesitz haben. Sie haben nach vorn und nach hinten ein gutes Umschaltspiel. Der Joschka Trenz ist ja auch so ein Lieblingsspieler von mir. Den habe ich mal in einem Vorbereitungsspiel mit Wittlich/Lüxem gesehen, als er uns drei Tore eingeschenkt hat. Die haben mit Trenz, Pascal Krämer, Jan Mayers und natürlich ihrem Spielertrainer Andreas Theis schon starke Leute drin. Bei Theis weiß man nie, wo er aufläuft. Er ist taktisch sehr variabel und taucht überall dort auf, wo man ihn nicht erwartet. Weil mit Trenz, Florian Arens und Marius Lempges drei Top-Offensivspieler verletzt sind, fehlt ihnen jetzt auch ein Stück weit die individuelle Qualität. Doch sie haben schon noch drei, vier Unterschiedsspieler.

11ER: Ein Wort zu Fjoraldo Celanji. Was ist das für ein Spielertyp?
Meeth: Aldo ist ein Straßenfußballer mit einer sehr guten Technik und ein Mann für die spektakulären Tore. Einst spielte er auf der Acht im Mittelfeld, doch nach den Verletzungsausfällen zu Beginn der Saison habe ich Aldo auf die Rechtsverteidigerposition gezogen. Mittlerweile, obwohl er offensiv denkt, hat er in seinem Defensivspiel enorm viel dazugelernt. Er ist sehr konstant in seinen Leistungen und ein ehrlicher Kerl. Doch er braucht es auch mal, wenn man ihm seine Grenzen aufzeigt, wenn ihm gesagt wird, was er machen kann und was er nicht machen soll.

11ER: Philipp Berhard bezeichnen Sie als den besten Torwart der Liga. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?
Meeth: Es ist der absolute Wahnsinn, was Philipp gegen Geisfeld gehalten hat. Er war das ganze Spiel fast beschäftigungslos, hat sich selbst aufwärmen müssen und holt zwei Dinger aus dem Kasten, die nur ganz wenige parieren. Philipp genoss eine Top-Ausbildung bei Eintracht Trier in der Jugend und will unbedingt jedes Spiel zu Null spielen. Diesen Status hat er sich durch eine konsequente Trainingsarbeit, und da muss ich auch unserem Torwarttrainer Björn Griebler ein dickes Dankeschön sagen, erarbeitet. Für sein Alter ist Philipp extrem abgeklärt und sucht immer die spielerischen Lösungen. Er wirkt zwar schmächtig, kann auch an Muskelmasse noch zulegen, doch als Linksfuß sehe ich bei ihm fast keine Schwächen. Zudem ist er ein guter Fußballer, der man immer anspielen kann.

11ER: Mit welcher Taktik könnten die heimstarken Arzfelder ausgehebelt werden?
Meeth: Die Defensive ist die Basis für uns. Wir haben den besten Torwart der Liga und eine stabile, vor Philipp Berhard agierende Abwehrkette. Wir dürfen nicht ins offene Messer laufen, deshalb ist es wichtig, im Gegenpressing aggressiv zu sein und schnell auf unsere Flügel zu kommen. Wir wollen schon auch Ballbesitzfußball spielen.

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