13.01.2020

Die Rückkehr des Liberos

Quelle: pixabay

Eine Zeit lang war der Libero so etwas wie das tragende Rückgrat einer Fußballmannschaft. Doch dann wurde das System überholt und der klassische Spieler, der auf dieser Position wirkte, wurde überflüssig. Seit der letzten Saison allerdings, kann man diesen Spielertyp wieder in einigen Mannschaften bewundern.

Der Fußball dominiert nach wie vor die Gedanken vieler Bundesbürger. Neben den ersten Ligen sind auch die Bezirksligen stark im Kommen. Dank diverser Magazine, Apps sowie den hervorragenden Fußball-Podcasts, ist der Interessierte täglich auf Tuchfühlung. So bekommt jeder die Dosis Informationen, die er haben möchte. Doch heute geht es bei diesen nur selten, um den Libero, den Franz Beckenbauer in den 1970er Jahren so wundervoll ausfüllte. Dank ihm war diese Position für viele Spieler erst erstrebenswert. Selbst eine Fernsehserie zum Thema gab es zu dieser Zeit – Manni, der Libero. Der letzte wirklich herausragende deutsche Spieler auf dieser Position war Lothar Matthäus. Zum Jahrtausendwechsel war allerdings Schluss und der Libero ein Auslaufmodell, das überflüssig wurde.

Als freier Mann, so die freie Übersetzung, agierte der Libero auf dem Feld. Zwar war er ein Verteidiger, doch verteidigte er weniger als seine Nebenmänner. Zudem hatte er meist keinen direkten Gegenspieler, den er beackern musste. Und auch für die groben Arbeiten hatte er seine Mitspieler. Dafür war der Libero ein Spieler mit dem Durchblick und dem feinen Fuß. Dinge, mit denen er die verhältnismäßig schlechtere Lufthoheit sowie das etwas langsamere Vorankommen geschickt ausglich. Dennoch gibt es diesen Spielertyp auch heute noch regelmäßig zu beobachten. Denn in der Bezirksliga wird er bisweilen noch eingesetzt.

Ganz heimlich ist er jedoch ebenso in der Bundesliga zurück. In der vergangenen Saison konnten Spieler wie Makoto Hasebe und Kevin Vogt in ähnlichen Positionen gefunden werden. Der Frankfurter Hasebe spielte natürlich nicht als deklarierter Libero. Viel mehr galt er als „zentraler Teil“ in der formierten Dreierkette der Adler der Eintracht aus Frankfurt. Zweikämpfe hat der Japaner, glaubt man einschlägigen Magazinen, kaum gewonnen. Das war allerdings auch nicht seine Hauptaufgabe. Viel mehr sollte er die Bereiche übernehmen, die von seinen Mitspielern offengelassen wurden. Selbst das Reklamieren bei den Offiziellen hatte er übernommen. Etwas, das traditionell stets der Libero machte. Schlicht, weil er derjenige im Spiel war, der nur bedingt Stress hatte. Auch der „Neu-Münchner“ Benjamin Pavard kennt sich bestens auf dieser Position aus. Hatte er doch bis zuletzt in Stuttgart diese Rolle mit Bravour ausgefüllt.

Die Arbeit ist, auch wenn sie nicht mehr so eingegrenzt wie damals ausfällt, immer noch die Gleiche. Sie sollen dort Überzahl schaffen, wo der Gegner gerne den Ball in die Maschen jagen würde. Ebenso sind sie für die Bälle verantwortlich, die die Mitspieler vergeigen oder stehen an den Orten, die aufgrund von Fehlern offen wären. Technisch versiert und gut im Aufbau sorgen sie zudem für eine hervorragende Spielsteuerung.

Für die Abschaffung hierzulande war damals im Übrigen ein gewisser Ralf Rangnick mitverantwortlich. Sein Auftritt im Sportstudio, in dem er über Viererkette, Pressing und Raumdeckung sprach, brachten ihm den „Spitznamen“ Fußballprofessor ein. Doch Rangnick konnte sich durchsetzen und behielt letztendlich recht. Und auch wenn der alte Spielertyp gerade immer wieder einmal aufersteht, ist das bisher ein rein deutsches Phänomen. 

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