In der „Hölle von Schöndorf“, wie VfL-Trainer Marco Neumann die Atmosphäre auf dem Sportplatz des FC Schöndorf bezeichnete, entführte der noch immer gefährdete VfL Trier mit einem 2:1-Erfolg beim Rangdritten sämtliche Punkte.

Mit diesem unerwarteten, doch keineswegs unverdienten Sieg haben sich die Heiligkreuzer im Kampf um den Klassenverbleib in eine gute Ausgangsposition gebracht. Der Überraschungscoup im Hochwald ließ den VfL auf drei Punkte auf den ersten Abstiegsplatz enteilen. Den nehmen derzeit die Kicker vom FSV Trier-Tarforst ein, die sich mit einem 2:2 in Pluwig ihre Nichtabstiegshoffnungen erhalten haben. Felix Finkenberg ließ die Heiligkreuzer bereits nach drei Minuten in Führung ziehen. Nach einem Ballverlust im Schöndorfer Mittelfeld schaltete der VfL blitzschnell um, sodass Finkenberg zwischen zwei SG-Verteidigern stehend ins lange Eck abschließen durfte – 0:1 (3.). Die Schöndorfer Antwort wäre beinahe passend ausgefallen, hätte nicht der Pfosten den Treffer von Lucas Jungandreas verhindert. Wenig später aber klärte ein VfLer auf der Linie, als Michael Hassani im Anschluss an einen Eckball per Kopf die Kugel nicht über die Linie gedrückt bekam. Maurice Mangerich hatten es die Gäste aus Trier zu verdanken, der anschließend zweimal prächtig reagierte, als Julian Völker sowie Leon Falk nach Eckbällen vor ihm abzogen. Der permanente Dauerdruck wurde dann so groß, dass Schöndorf zum Ausgleich kommen musste. Nach einem Hassani-Freistoß segelte der Ball zu Moritz Pooth, der per Abpraller von der 16er-Kante aus die Kugel ins Eck zelebrierte – 1:1 (33.). Danach wurde es wild: Nachdem Hassani im Strafraum gelegt wurde, gab es logisch konsequent Elfmeter für die Hausherren, doch Mangerich ahnte die Ecke und parierte den Strafstoß von Leon Falk, der zur tragischen Figur wurde (38.). Drei Minuten später zeigte der Unparteiische nach einem Rempler an Raul Cosano Kreutzer von Leon Falk erneut auf den Punkt: Diesmal gab es Elfmeter für den VfL. Finkenberg ließ sich nicht zweimal bitten und schoss unhaltbar links unten ins Eck – 1:2 (41.).

Die große Chance auf den Ausglich ließ kurz vor Ende der ersten Halbzeit Leon Falk aus, der nach starker Vorarbeit von Jungandreas die Kugel in Rücklage über das Gehäuse von Mangerich drosch. SG-Trainer Thomas Werhan brachte mit Timo Neumann für Adrian Meier den etatmäßigen Käpt’n in die Partie. Der machte gleich richtig Dampf. So ergab sich einige Sekunden nach dessen Einwechslung durch Tim Müller eine Riesenmöglichkeit zum 2:2, doch der Kopfball wurde Beute des erneut aufmerksamen Mangerich im Trierer Tor. Weitere Möglichkeiten auf beiden Seiten blieben ohne Ertrag. Die größte Chance, zum Ausgleich zu kommen, verhinderte der sein Comeback feiernde VfL-Kapitän Till Wollenweber mit einer Monstergrätsche. Neumann hatte Jungandreas mit einem Pass in die Gasse auf die Reise geschickt. Trotz unzähliger Ecken und viel Druck blieb es am Ende beim 2:1-Auswärtssieg der Heiligkreuzer in der „Hölle von Schöndorf“, der über 250 Zuschauer beiwohnten. Das anschließende Kirmesbier schmeckte für den VfL Trier dann doch am besten.

VfL-Trainer Marco Neumann kam ob der unglaublichen Energieleistung, die seine Mannschaft zeigte, aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Wir haben eine Riesenmentalität gezeigt, alles reingeworfen, was ging, und uns auch das Quäntchen Glück erarbeitet. Uns kam zugute, dass wir mit der ersten Torchance durch Felix auch mal in Führung gegangen sind. Schöndorf hatte danach eine permanente Druckphase mit ganz vielen Ecken und weiten Einwürfen von Hassani“, kommentierte Neumann, der ergänzend betonte, dass „Schöndorf im gesamten Spiel 51 Standards hatte, die wir alle super wegverteidigt haben. Diesmal hatten wir das Momentum auf unserer Seite, als Maurice erst den Elfmeter parierte und wir dann selbst unseren Elfer reinmachten. Es war das intensivste Spiel bislang unter meiner Regie“. Ein besonderes Lob ging an Rückkehrer Till Wollenweber, der nach acht Monaten Verletzungspause ein sensationelles Comeback feierte. „Till war der Fels in der Innenverteidigung, der am Boden keinen Zweikampf verloren hat und überragend agierte.“ Doch die ganze Mannschaft habe leidenschaftlich verteidigt. Schöndorfs Trainer Thomas Werhan konstatierte, dass sich der VfL den Sieg durch Einsatz und Kampfgeist, aber auch ein Stück weit Glück verdient hat. „Doch phasenweise waren auch wir ganz nah dran am Sieg. Wir haben den VfL 20 Minuten lang komplett eingeschnürt. Bei weiten Einwürfen und Eckbällen hat es stets lichterloh gebrannt, wir waren überlegen. Dann kriegen wir den Elfmeter und verschießen ihn. Zwei Minuten später verschuldet Leon Falk den Elfmeter und wir liegen 1:2 hinten. Da ist das Momentum auf die andere Seite gesprungen. Die zweite Halbzeit war für den VfL eine Abwehrschlacht. Da hätte es auch in unsere Richtung kippen können. Nach dem Spiel war die Stimmung natürlich ein bisschen getrübt, die Jungs waren schon sehr enttäuscht“, beschrieb Werhan einen emotionalen Abend am Schöndorfer Liebertswald.